How to raise a feminist son

Triggerwarnung: Gewalt an Frauen
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Dieser Artikel hat mich mal wieder zum Nachdenken gebracht (jaja, ab und zu tue ich das).
Es geht grob darum, wie wichtig es sei nicht nur jungen Mädchen zu erklären, warum sie keine Nacktfotos von sich an wen auch immer schicken sollten.
Mindestens genau so wichtig, eigentlich sogar grundlegend lösungsorientierter sei es Jungen UND Mädchen beizubringen, dass es falsch sei überhaupt nach solchen Fotos zu fragen oder gar darauf zu drängen.
Einerseits um ein Unrechtsbewusstsein beim Fordernden zu schaffen und damit vielleicht ein paar Hemmschwellen mehr zu setzen. Andererseits um der anderen Seite die Möglichkeit zu geben sich Hilfe in dieser Situation suchen zu können und in dieser Hinsicht Hemmschwellen abzubauen.
Also ganz dem Motto: Instead of teaching your daughters how not to get raped, teach your sons not to rape.
Auch wenn selbst erstellte Nacktfotos natürlich keine Vergewaltigung sind, stellen sie ein immenses Machtgefälle her. Zahlreiche (weibliche) Prominente haben bereits unter solchen Veröffentlichungen gelitten, selbst als erwachsener Mensch scheint dies nur schwer auszuhalten zu sein.

Cybermobbing unter Jugendlichen tritt erst langsam in das Bewusstsein der Öffentlichkeit, kann die Opfer jedoch massivst schädigen, psychisch als auch physisch.
Da meine Kinder noch zu jung für dieses “Neuland” sind, betrifft es mich noch nicht konkret, Berlinmittemom hatte darüber jedoch bereits ein paar Mal geschrieben. (Über mehr Linktipps freue ich mich sehr.)

Natürlich denke ich auch mit jüngeren Kindern an meiner Seite über das eigentlich grundlegende Problem nach: Wie schaffe ich es, dass meine Söhne keine Arschlöcher werden? How to raise a feminist son?

Ich behaupte 99,999 Prozent aller sich als männlich definierenden Menschen meines Umfeldes sind keine Arschlöcher.
Ich behaupte auch, 99,999 Prozent dieser Männer* haben schon mal dafür gesorgt, dass eine Frau sich bedroht gefühlt hat. Zum überwiegenden Teil sicher (hoffentlich) unbewusst.
Im Dunklen etwas zu gleichmäßig einer Frau durch den sonst menschenleeren Park hinter her gelaufen.
Bei der Verabschiedung einer guten Freundin den Arm etwas zu lang gehalten, allein mit ihr in ihrer Wohnung nach zwei Flaschen Wein.
Noch schnell spät Abends mit in den Fahrstuhl gehechtet, zu der bislang dort allein stehenden Frau.
Der Partnerin immer und immer wieder sexuelle Avancen gemacht, bis sie schließlich doch einwilligte.
Sowas halt.

Ganz alltägliche Situationen, die erst im Zuge von #metoo die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erlangen.

Zurück zu meiner Ausgangsfrage: Wie erziehe ich meine Söhne zu Feministen?
Wie kann ich dafür sorgen sie für solche Situationen zu sensibilisieren? Ist das überhaupt möglich, wenn mann nie die andere Seite mit erlebt, sich nie aufgrund des eigenen Geschlechtes bedroht gefühlt hat? Kann mann nachvollziehen, wie frau sich durch den Alltag laviert um nicht in potentiell bedrohliche Situationen zu gelangen, sei es durch Wechseln der Straßenseite, Meiden gewisser Straßen/Menschen, dem Anpassen des Kleidungsstils oder oder oder..
(Meine Oma meinte erst neulich zu mir, sie sei diesbezüglich sehr froh aufgrund ihres Alters freier und unbeschwerter leben zu können.)

Natürlich gehe ich davon aus, dass meine bereits jetzt absolut fantastischen, einfühlsamen und liebevollen Söhnen zu ebensolchen Erwachsenen werden, doch wie sensibilisiere ich sie für oben genannte Situationen?
Bei uns gibt es selbstverständlich die gängigen Regeln: “Nein heißt Nein.”, “Es ist mein Körper und ich entscheide, was damit geschieht.” (Anwendbar auf Alles: Eiskonsum, Wahl der Kleidung, Filme glotzen bis in die Nacht.)
Ob beim Kitzeln, Haare waschen oder Toben, haben wir alle Zuhause das Recht dies abzulehnen und die absolute Pflicht diese Ablehnung zu akzeptieren.
Aber reicht das?
Seit circa einem Jahr spricht der Siebenjährige von Mädchenfarben, Mädchen-Spielzeug oder der körperlichen Unterlegenheit von Mädchen/Frauen. (Er denkt tatsächlich er könnte schneller rennen als ich. Da ich ja immer das Baby an mir dran habe, kann ich ihm leider nur sehr selten beweisen, dass dem ganz sicher nicht so ist.)
Bis vor einem Jahr hat er rosa-glitzeriges GELIEBT! Irgendwie musste er nun auf rot als Lieblingsfarbe ausweichen.
Er tanzt begeistert zu “Let it go”, hört jeden Tag Bibi&Tina und trägt mit Stolz ein Perlenarmband. Währenddessen erzählt mir dieses Kind dann, dass nur Männer gute Ninjas wären, da Frauen einfach nicht gut kämpfen könnten.
Woher solche Sichtweisen kommen ist mir sowohl klar als auch egal, von der “richtigen” Welt abschotten möchte ich ihn ja auch gar nicht und kann gegen die Freund*innen in der Schule Coolnessmäßig eh nur verlieren.
Eigenschaften werden bei uns nicht kategorisch in “erstrebenswert” und “lächerlich” eingeteilt, Aggression gehört zum Leben, wie Weinen, Lachen, Pupsen.
Ich bemühe mich, typischerweise als männlich klassifizierte Hobbies ebenso zu unterstützen wie weibliche, ohne zu werten.

Auch, dass Sich-Abgrenzen, Menschen kategorisieren und Vergleichen zur Identitätsfindung dazu gehören, kann ich ganz gut annehmen. Es ist meist erstmal leichter zu bestimmen, was mensch nicht will, als herauszufinden was mensch will.

Das bringt mich in meiner Suche nun jedoch nicht weiter.
How to raise a feminist son?

Mein Vater hat uns Töchtern bereits in recht jungen Jahren erklärt, wir sollten potentielle Angreifer beißen, unsere Daumen in deren Augen drücken, eklig sein und in Gefahrensituationen von Jesus und der Erlösung durch Aliens sprechen.
Ab wann spreche ich mit meinen Söhnen über Konsenz, damit ein Mensch ihnen gegenüber niemals auf die Idee kommt sich körperlich verteidigen zu müssen?

Zudem (ganz eigennützig) möchte ich meinen Kindern natürlich ein Leben abseits starrer Rollenbilder ermöglichen, sie sollen sich nicht für hart/männlich oder weich/weiblich entscheiden müssen. Nicht zuletzt dafür brauchen wir den Feminismus auch.

Ich bin sehr gespannt auf sämtlichen Input ihr Menschen dort draußen.

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